Der Gravelbike-Boom hat die Radwelt schon vor Längerem erfasst, seit einiger Zeit werden auch Gravellaufschuhe gehypt. Geldmache oder sinnvolle Abgrenzung zu Trail- und Asphaltschuhen? So sehe ich das – Part 2.
Gravel ist das englische Wort für Schotter. Im Sportkontext heißt es, dass das jeweilige Gerät (Fahrrad oder Schuhe) darauf ausgerichtet ist, besonders auf Schotteruntergrund beste Performance zu ermöglichen. Bleiben wir beim Laufen: Verglichen mit Straßenlaufschuhen, die sich vor allem durch eine gute Dämpfung und wenig Gewicht auszeichnen, und Traillaufschuhen, deren Sohle stolliger und rutschfester ist, liegen Gravelschuhe genau dazwischen. Sie sind sowohl in Bezug auf Obermaterial als auch was die Sohle betrifft ein Kompromiss, der Läufer:innen viel Flexibilität lässt. Denn nicht immer weiß man im Vorfeld, welche Schuhwahl die beste ist. Eine einzige Laufstrecke kann über Asphalt, Wiesen, Trails und Schotter führen, weder reine Straßen- noch die stolligen Trailschuhe sind dann optimal geeignet. Et voilà! Schon hat der Gravelschuh seine Berechtigung.
Und da sich das Gravelbiken ja bereits einen Namen gemacht hat, war es naheliegend, auf den Schotterzug aufzuspringen und auch Allround-Laufschuhe so zu nennen. Kann man machen, verkauft sich gut – und ist meiner Meinung nach auch für zwei Zielgruppen sinnvoll:
Personen, die in der Woche 30 Kilometer oder mehr laufen, sollten sich zwei bis drei Mal im Jahr neue Laufschuhe kaufen, denn alle 500 bis 700 Kilometer empfiehlt es sich, den Schuh auszutauschen. Stehen nun drei Paar Schuhe zur Auswahl, so begleiten diese Sportler:innen über einen längeren Zeitraum und können je nach Anforderung angezogen werden. Natürlich halten die Schuhe am längsten, wenn sie auf dem Untergrund zum Einsatz kommen, für den sie konzipiert wurden.
Perfekt sind Gravelschuhe auch für jene, die sich beim Laufen nicht festlegen wollen, denn der vielseitige Gravelschuh passt irgendwie immer. Da macht es auch nichts, wenn er in einer Woche bei einer reinen Asphaltrunde, in der nächsten Woche im Wald und dann wieder auf gemischtem Untergrund gelaufen wird. Nebenbei spart man sogar Geld mit dem One-for-all-Schuh.
Sportler:innen haben meist, unabhängig von deren Leistungsniveau und Ansprüchen, Freude an gutem Equipment. Ich selbst könnte im Sportgeschäft Unmengen an Geld ausgeben. Und tatsächlich ist zumindest meine „Nutzungsrate“ sehr hoch, Fehlkäufe eher selten. Insofern: Ja zu Gravelschuhen, wenn ihr Freude daran habt. Dass sie die Laufwelt nicht grundlegend verändern, sondern eher in die Kategorie „nice to have“ fallen, kann man dabei aber ruhig im Hinterkopf behalten.