Über die Sucht, an Sportevents teilzunehmen
„Hast du schon gehört? Und beeil dich, die Startplätze sind schnell weg!“
Klick. Und schon poppt meine Anmeldebestätigung für den Triathlon am Bildschirm auf. Es folgen Monate des intensiven Trainings, in denen ich Freund:innen zum Tratschen nur noch auf Laufrunden treffe, an Wochenenden der Wecker um 6 Uhr läutet, damit sich die lange Ausdauereinheit ausgeht, und sich eigentlich alles um das bevorstehende Event dreht. Klingt unlustig, ist es oft auch.
Spätestens zwei Wochen vor dem Bewerb kommen Angst und Zweifel auf: Schaffe ich das? Wie wird das Wetter? Werde ich diesmal vielleicht wirklich Letzte? Was, wenn ich Krämpfe oder Magenweh bekomme? Doch die mühsame Vorbereitungszeit soll nicht umsonst gewesen sein und so klingelt der Wecker am Renntag erneut zu einer unchristlichen Uhrzeit. Man ist es ja schon gewohnt.
Am Eventgelände ist die Nervosität schließlich ins Unermessliche gewachsen. Rundherum Sportler:innen, die mir allein aufgrund ihres Equipments Angst einflößen. Sie wirken souverän und siegessicher, ich daneben wie eine Dilettantin. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr. Eine kurze angenehme Begegnung am WC mit einer Mitstreiterin nimmt mir für einen kurzen Moment meine Minderwertigkeitskomplexe: „He, ich glaube, wir haben den gleichen Neopren!“ Haben wir nicht, aber ich freue mich trotzdem über die kameradschaftlichen Worte und ein freundliches Gesicht. In meinem lösen sich ein paar Anspannungsfalten.
Und dann geht es schnell: Warm-up, Motivationsrufe und schon versuche ich, in dem wirren Getümmel so etwas wie einen Kraulrhythmus zu finden. Gelingt mal mehr, meistens weniger.
… ist alles eigentlich halb so schlimm. Die Wechselzonen stressen, doch am Rad und auf der Laufstrecke fühle ich mich wohl. Ja, es ist anstrengend und ich leide, aber darauf habe ich mich ja vorbereitet, damit kann ich gut umgehen. Mein Magen, meine Waden und mein Kopf spielen mit. Ich werde nicht Letzte.
Nach dem Zieleinlauf folgen Momente der Übelkeit, Erleichterung und – was eigentlich an erster Stelle stehen muss – der Blick auf meine Garmin. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis, ärgere mich im Nachhinein darüber, dass ich so nervös war und das die Menschen in meinem Umfeld auch habe spüren lassen. Beim nächsten Mal mache ich es besser.
Apropos nächstes Mal: „Hast du schon gehört?“
Woran liegt es, dass man sich das immer wieder antut? Es gibt viele Gründe, die Hobbysportler:innen antreiben, an Bewerben teilzunehmen: die Herausforderung, das Gemeinschaftsgefühl, das Hinarbeiten auf ein Ziel … Doch immer spielt ein Faktor eine Rolle, wenn man sich zwei Tage nach Erhalt der Finishermedaille mit Spatzen in den Beinen schon für das nächste Event anmeldet: Typ-2-Spaß, der verklärte Blick auf ein Erlebnis. Weil es ja so lustig war, die Vorbereitungszeit einfach nur großartig, die Stimmung im Startbereich einmalig! Da muss ich unbedingt wieder dabei sein. Klick.